L E S E P R O B E
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Das 4. KAPITEL, in dem Oskar versucht, sich mit seiner Lage abzufinden, und an einem unbekannten Ort aufwacht

Das Gartenhaus von Herrn Heinrichen war tatsächlich sehr klein. Wenn man zur Tür hereinkam, stand man in einem winzigen Flur, in dem man sich gerade mal auf der Stelle drehen konnte. Rechts an der Wand waren drei Haken angebracht, links ein großer Spiegel, in dem man sich vom Scheitel bis zum Zehennagel betrachten konnte. Geradeaus ging es weiter in die Wohnküche. Es gab einen Herd, einen Kühlschrank und eine Spüle, außerdem Regale mit Vorratsdosen, einen Arbeitstresen, Schränke für Töpfe und Geschirr und einen kleinen quadratischen Tisch, an dem man zu zweit sitzen und essen konnte.
Der Wohnbereich bestand aus einem Schrank, einem Sofa, einem Sessel und einem Haufen Kuschelkissen, der auf einem flauschigen Teppich aufgetürmt war. In einem Regal standen Bücher, ein winzig kleiner Fernseher und ein CD-Player.
„Es ist alles da, was man braucht“, sagte Henriette Habermick und strich über die glänzenden Blätter des Gummibaums, der unter dem Fenster stand. „Sogar Schreibzeug, Nähgarn, eine Schere und ein Bügeleisen.“ Sie nickte ihrem Sohn aufmunternd zu. „Vielleicht schaust du mal nach nebenan.“
„Okay“, sagte Oskar und ging auf die Tür zu, die sich zwischen Küchentresen und Wohnzimmerschrank befand, drückte die Klinke herunter und erstarrte. Das Zimmer war schrecklich klein. So klein, dass nur gequetscht hineingehen konnte, weil sich gleich rechts von der Tür ein Ungetüm von einem Kleiderschrank breit machte. Gleich daneben stand ein Bett. Es war so groß, dass zwei Leute darin Platz fanden, und es war bis ganz an die gegenüberliegende Wand gerückt.
„Ich dachte mir, du schläfst am Fenster“, ertönte Henriette Habermicks Stimme aus der Wohnküche. „Dann muss ich nicht über dich wegsteigen.“
Klar, dachte Oskar und ein Gänsehautschauer raste ihm über den Rücken. Kann ich nicht auf dem Sofa schlafen?, lag es ihm auf der Zunge zu fragen. Doch er verkniff es sich. Bestimmt wäre Mama schrecklich enttäuscht. Vielleicht dachte sie sogar, dass er sie nicht mehr gern hatte. Und das stimmte natürlich ganz und gar nicht. Vor zwei oder drei Jahren war er hin und wieder sogar freiwillig zu ihr ins Bett gekrochen. Damals war Papa schließlich auch noch da gewesen. Ja, wenn Oskar es sich recht überlegte, machte genau das und nicht der Umstand, dass er inzwischen ein paar Jahre älter geworden war, den eigentlichen Unterschied aus.
Zweieinhalb Schritte waren es von der Tür bis zur Bettkante. Da sich das nur sehr schlecht durch drei teilen ließ, konnte Oskar also nicht vom Fußende her unter die Decke kriechen, sondern musste den Weg über die Seite seiner Mutter nehmen. Er zwängte sich zwischen dem Kleiderschrankmonster und dem Bett entlang, wobei er versuchte, drei einigermaßen normal lange Schritte hinzukriegen, und ließ sich dann mit einem leisen Stöhnen auf den senfgelben Überwurf fallen.
Der Gang war so schmal, dass es nicht einmal mehr Platz für einen Nachttisch gab. Oskar hob seinen Blick zur Zimmerdecke. In ihrer Mitte hing eine vergilbte Papierlampe, weitere Lichtquellen gab es nicht.
„Bestimmt kann man an der Wand über dem Kopfende noch eine Leuchte anbringen!“, rief Henriette Habermick.
„Ja“, sagte Oskar mit wenig Hoffnung in der Stimme.
Plötzlich war er froh, dass er Mathilda kennengelernt hatte und dass sie gleich nebenan wohnte und hin und wieder durch die Hecke auf Herrn Heinrichens Grundstück gekrochen kam. Beim nächsten Mal würde er sie fragen, wie alt sie war, in welche Schule sie ging und ob sie viele Freunde hatte. Vielleicht hatte Oskar Glück und sie mochte ihn. Auf den ersten Blick sprach eigentlich alles dafür. Zumindest, was die Schritte anging, die sie und er von der Hecke bis zum Eingang zurücklegen mussten.
Sowohl dreiundneunzig als auch vierundachtzig ließen sich problemlos durch drei teilen. Bei Oskar kam einunddreißig heraus und bei Mathilda achtundzwanzig. Wenn man diese Zahlenwerte voneinander abzog, kam man genau auf drei, während die Differenz zwischen dreiundneunzig und vierundachtzig exakt neun ergab – also dreimal die Drei. Oskar lächelte. Besser konnten die Voraussetzungen doch gar nicht sein!
„He, Oskar, was machst du?“, rief seine Mutter aus der Wohnküche. „Räumst du deine Sachen ein?“
„Gleich“, sagte Oskar.
„Was möchtest du zu Mittag essen?“
„Weiß nicht.“
„Im Kühlschrank steht eine Schüssel mit Kartoffelsalat und im Regal sehe ich Würstchen, Nudelsuppe, eine Dose Ravioli, Bohnen mit Speck und Erdbeermarmelade“, zählte Henriette Habermick auf.
Pizza dachte Oskar. Pizza wäre toll. Aber darauf würden sie bestimmt eine ganze Weile verzichten müssen.
„Ich schlage vor, wir essen den Kartoffelsalat“, rief seine Mutter. „Offenbar hat Herr Heinrichen ihn extra für uns zubereitet und ich möchte ihn nicht kränken.“
„Ist okay“, sagte Oskar leise. Er griff nach seinem Rucksack und zog den Reißverschluss auf.
Das Backbuch schob er unter sein Kopfkissen, den Bären legte er direkt daneben an die Wand unters Fenster und den Gummistiefel stellte er hinter dem Vorhang auf dem Sims ab.
„Hast du was gesagt?“, fragte Henriette Habermick.
„Ja, dass es okay ist!“, rief Oskar.
Die Tüte mit den Mokkabohnen knisterte leise, als er sie aus dem Rucksack nahm. Oskar beschloss, Herrn Heinrichen eine Torte zu backen. Gleich morgen. Zwei Schichten Biskuitteig sollte sie haben, dazwischen Mokkacreme und obendrauf Sahnetürmchen mit Mokkabohnen als Verzierung. Vielleicht würde das Glück bringen. Mokkacremtorte mit extra vielen Bohnen obendrauf war ja auch Papas Lieblingstorte.
„Wir dürfen uns ein paar Gartenmöbel aus dem Schuppen holen!“, rief Henriette Habermick. „Kommst du und hilfst mir dabei?“

Als Oskar abends neben seiner Mutter im Bett lag, fühlten sich seine Arme und Beine schlaff und ausgeleiert an, und sein Kopf war schwer und warm wie ein riesiger Topf voller dampfenden Griesbreis. Dieses jämmerliche Mauseloch mit den dunkel getünchten Wänden und der runden Papierfunzel unter der Decke war einfach schlecht für ihn.
„Gute Nacht, mein Schatz“, sagte Henriette Habermick. „Morgen ist Sonntag, da machen wir es uns richtig gemütlich. Und am Montag geht es dann in die neue Schule.“
Oskar hatte die Augen bereits geschlossen und gab ein leises Schnorcheln von sich.
„Oh, du bist schon eingeschlafen“, sagte seine Mutter leise.
Die Matratze wogte leicht auf und ab und kurz darauf erlosch das Deckenlicht.
Oskar tastete nach dem Bären und zog ihn zu sich heran. Wir müssen aufeinander aufpassen, dachte er, während er seine Nase in dem verfilzten Plüschstoff vergrub. Wenn es so weitergeht, werde ich am Montag überhaupt keine Kraft mehr haben, in die Schule zu gehen.
Wieder wogte die Matratze auf und ab. Henriette Habermicks Bettdecke raschelte, als ob sie mit feinen Metallfedern gefüllt wäre.
Oskar hörte seine Mutter leise seufzen. Bestimmt war auch sie nicht glücklich mit dieser Situation, vielleicht bereute sie es inzwischen sogar, aus der alten Wohnung ausgezogen zu sein. Und wenn schon, dachte er. Zurückgehen würde sie trotzdem nicht. Dazu war sie viel zu stolz.
Oskar würde sich wohl oder übel mit seiner Lage abfinden müssen. Und - Teufel noch mal - er war bereit, das zu tun.
Gleich morgen würde er sich um die Torte für Herrn Heinrichen kümmern – und hoffen, dass Mathilda herüberkam. Das wehe Gefühl in seinem Herzen versuchte er zu ignorieren. Er musste einfach daran glauben, dass Papa den Zettel an der Schreibtischlampe rechtzeitig fand.
Oskar lauschte auf das gleichmäßige Atemgeräusch seiner Mutter, wünschte seinem Gummistiefel eine gute Nacht und gähnte. Hoffentlich schlief er bald ein.

Es war kalt und es war hart unter seinem Rücken. Sein Kopf schmerzte und irgendwas drückte gegen seinen Fuß. Oskar schreckte hoch.
Um ihn herum war es stockfinster. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten gab es plötzlich Dinge, die noch dunkler waren als stockfinster, und sie traten geradezu unheimlich aus dieser Finsternis hervor. Es waren Dinge, die kreuz und quer durcheinanderstanden, die Oskar noch nie gesehen hatte und die sich ganz sicher nicht in dem winzigen Mauseloch befanden, in dem er sich eben noch zum Schlafen hingelegt hatte.
Angst kroch seinen Rücken hinauf und seine Nackenhaare sträubten sich.
Was war passiert?
Wo war er gelandet?
Wer hatte ihn hierher gebracht?
Und vor allem: Wo war sein Bär?
Vorsichtig zog Oskar seine Füße an. Er hob sich auf die Knie und riss die Augen weit auf. Hinter einem Haufen, dessen Umrisse so aussahen, als ob jemand ein paar verbogene Eisenteile auf eine seltsame Maschine geworfen hätte, sickerte ein wenig Licht hervor.
Oskars Herz machte einen Satz. Vielleicht gab es dort ja ein Fenster oder sogar eine Tür! Hoffnungsvoll tastete er sich darauf zu. Der Maschinen-Eisenteil-Wirrwarr fühlte sich mal holzig, mal kunststoffartig und nur ganz selten nach Metall an. Irgendwie bahnte Oskar sich einen Weg daran vorbei. Manchmal knisterte es leise, wenn er mit seinen Haaren an einem klebrigen alten Spinnennetz hängen blieb, und einmal drückte sein Knie auf etwas kleines Hartes. Es zerbrach mit einem Knacken, das sich wie ein Schrei anhörte. Oskar schauderte. Fast hätte er aufgestöhnt. Doch die Befürchtung, dass es jemand bemerken könnte, setzte sich wie ein Pfropfen auf seine Kehle. Oskar konnte kaum noch atmen.
Und dann war da plötzlich dieses Geräusch: Ein leises Knarren, direkt unter ihm!
Oskar erstarrte. Mit klopfendem Herzen duckte er sich hinter eine große Kiste, auf der eine kratzige und alles andere als gut riechende Decke lag. Sie stank wie ein öffentliches Klo, auf dem zehn Leute gleichzeitig ihr großes Geschäft verrichtet hatten.
Oskar unterdrückte ein Würgen und starrte in die Richtung, in der er die Lichtquelle vermutete. Ein Fenster war es nicht, eher ein Schlitz im Holz. Und dieser Schlitz befand sich auch nicht in der Wand, sondern im Boden, nur wenige Schritte von Oskar entfernt.
Unter ihm ertönten nun leise tapsende Schritte, kurz darauf ein Schaben und schließlich ein Poltern. Diese Geräuschabfolge wiederholte sich – einmal – zweimal – dreimal – viermal.
Klingt, als ob jemand etwas sucht, durchzuckte es Oskar. Und mit einem Mal kam ihm die Idee, dass er sich womöglich auf dem Dachboden des Gartenhauses befand und unmittelbar unter ihm seine Mutter die Wohnung nach ihm durchkämmte. Aber wenn es tatsächlich so war … müsste er sie dann nicht auch rufen hören?
Oskar, Oskar, wo bist du? … Oder so ähnlich?
Hier, Mama, hier bin ich, lag es ihm auf der Zunge zu antworten, doch er verkniff es sich. Seine Fingerkuppen berührten die kratzige Decke, als er auf allen vieren um die Kiste herum und auf den Schlitz im Boden zu schlich. Das Licht, welches von dort zu ihm heraufschien war nur sehr schwach. Außerdem wanderte es mit den tapsenden Schritten hin und her.
Oskar senkte den Kopf in Richtung Boden, bis seine Nasenspitze das staubige Holz berührte. Er konnte nun genau durch den Schlitz sehen. Ein weiteres Poltern ertönte, der Boden brach unter ihm weg und eine Taschenlampe leuchtete ihm direkt ins Gesicht.

Das 5. KAPITEL, in dem so manches zur Aufklärung beigetragen wird, aber sogleich wieder  neue Fragen aufkommen

„Was machst du denn hier?“, ertönte Mathildas Stimme.
Oskar atmete auf. Eigentlich hatte er damit gerechnet, jeden Moment in die Tiefe gerissen zu werden, doch nun kapierte er allmählich, dass unter ihm nicht der Boden herausgerissen, sondern lediglich eine Luke geöffnet worden war.
„Und du?“, stammelte er. „Was machst du da unten?“
„ Na hör mal!“, schnaubte Mathilda.
„Wo bin ich überhaupt?“, fragte Oskar.
Mathilda kicherte. Dann sagte sie noch mal: „Na, hör mal!“
Die Taschenlampe bewegte sich weiter auf Oskar zu und dahinter tauchte schließlich Mathildas Gesicht auf. Ihre dunkelbraunen Augen funkelten und die schwarzen Locken tanzten wie hunderttausend Tintenfischtentakeln um ihr rundes Gesicht.
„Nimmst du sie mir mal ab?“, raunte sie.
„Wen?“, fragte Oskar zögernd.
„Na, die Taschenlampe, du Dussel.“
„Ach so.“ Oskar griff dorthin, wo er den Stiel der Lampe vermutete, und berührte Mathildas Hand.
„Jetzt nimm sie schon!“
Entschlossen griff Oskar zu und zog.
„Mann, was machst du denn!“, schimpfte Mathilda. Sie entriss ihm ihre Hand und augenblicklich landete die Taschenlampe rumpelnd neben ihm.
„ Wow, was für ein Ding!“, staunte Oskar.
Die Taschenlampe war riesig. Mindestens so groß wie ein Toaster und auch fast ebenso viereckig. Einen Stiel hatte sie jedenfalls nicht. Bloß einen Griff, wie Oskar nun feststellte.
„Die ist vom Bau“, erklärte Mathilda, nachdem sie sich zu ihm heraufgehievt hatte. „Leider ist die Batterie schon ein bisschen schlapp.“
„Hm“, machte Oskar und betrachtete die Lampe von allen Seiten.
„Du befindest dich übrigens auf dem Dachboden von Opa Heinrichens Gartenhaus“, meinte Mathilda und tätschelte ihm die Schulter.
„Hm“, machte Oskar noch einmal. „Hab ich mir fast gedacht.“
„Aber wie du hierhergekommen bist, weißt du wohl nicht, was?“
Oskar schüttelte den Kopf. „Nee“, sagte er leise und plötzlich war ihm schrecklich gruselig zumute.
„Dann bist du wahrscheinlich geschlafwandelt“, sagte Mathilda.
„Ach so“, sagte Oskar. „Komisch“, fuhr er nachdenklich fort, „das mache ich sonst nie. Und ich dachte schon, man hätte mich entführt.“
„Dich?“ Mathilda legte ihren Kopf in den Nacken und lachte laut heraus. „Wieso nicht?“, frage Oskar sauer.
Mathilda verstummte. Plötzlich sah sie sehr ernst aus. „Entschuldigung“, sagte sie. „Natürlich hat jeder ein Recht darauf, entführt zu werden. Tut mir leid. Auch das mit dem Dussel. Es hat sich im ersten Augenblick nur so idiotisch angehört“, fügte sie schulterzuckend hinzu. „Weißt du, in dieser Gegend ist noch nie jemand entführt worden. Dabei wohnen hier jede Menge reiche Leute, die man wunderbar erpressen könnte.“
„Wir nicht“, erwiderte Oskar. „Meine Mutter und ich, wir sind nicht reich. Wir haben gerade mal eintausentdreihundertundzweiundvierzig Euro und einundachtzig Cent auf dem Sparbuch.“
„Besser als nichts“, sagte Mathilda.
Im immer schwächer werdenden Licht der Taschenlampe sah sie fast ein bisschen gruselig aus. Vielleicht war es ja doch nur ein Traum, der Oskar hier auf dem Dachboden gefangen hielt.
„Was hast du da unten eigentlich gesucht?“, fragte er.
„Sprengstoff“, sagte Mathilda.
Entsetzt rückte Oskar ein Stück von ihr weg. „Was?“
„ Nitroglycerin, um genau zu sein.“
„Bist du verrückt! Was willst du denn in die Luft jagen?“, presste Oskar hervor.
„Gar nichts“, sagte Mathilda. „Ich will bloß verhindern, dass dir und deiner Mutter das Gartenhaus um die Ohren fliegt.“
„ A-aber …?“, stammelte Oskar.
Das Licht der Taschenlampe flackerte noch einmal hell auf und verlosch dann ganz.
„Mist!“, fluchte Mathilda. Sie nahm Oskar das Ding aus der Hand und drückte und zerrte daran herum. „Zu blöd auch, dass man eine Lampe nicht mit einem Mofamotor betreiben kann.“
„Hä?“
Oskar schüttelte den Kopf. Aus dieser Mathilda sollte mal einer schlau werden. Allmählich fragte er sich ernsthaft, ob sie nicht einfach bloß einen gewaltigen Riss in der Pfanne hatte.
„Den Motor hab ich von Julius aus der Bohmfelder“, erklärte Mathilda ihm. „Dort wohnen die Leute, die nicht mal wissen, wie ein Sparbuch aussieht, wenn du verstehst, was ich meine. Eigentlich wollte ich ihn an mein Fahrrad bauen. Aber ich weiß ja nicht mal, ob er überhaupt noch funktioniert.“
„Okay“, sagte Oskar. Er kapierte überhaupt nichts mehr, allerdings schien es ihm nicht angebracht, es auszusprechen. Außerdem interessierte ihn die Sache mit dem Nitroglycerin weitaus mehr. „Und was ist jetzt mit dem Sprengstoff?“
„Nicht gefunden“, brummte Mathilda. „Vielleicht ist auch gar nichts mehr da. Immerhin hat Hannibal fast siebzig Kilo gewogen.“
Oskar schluckte.
„Ihr habt einen ganzen Mann in die Luft gesprengt?“, stieß er hervor.
„Ts“, machte Mathilda. „Hannibal war ein Hund. Außerdem haben wir ihn nicht gesprengt.“ Sie tippte sich an die Stirn. „Wofür hältst du uns eigentlich?“
Das wusste Oskar gerade auch nicht so genau.
„Wen meinst du überhaupt mit wir?“, erkundigte er sich vorsichtig.
„Na, logischerweise Opa Heinrichen und mich.“ Mathilda verdrehte die Augen, schlug die Hand gegen ihre Stirn und ließ sich rücklings zu Boden fallen. Staub wirbelte auf und schwebte langsam auf ihr rosa Rüschennachthemd herab.
„Und was habt ihr gesprengt?“, fragte Oskar.
„Das Grab für Hannibal natürlich.“
Natürlich. Klar. Oskar grinste. Dass er da nicht gleich drauf gekommen war!


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